Herr Jensen, im Spätsommer dieses Jahres begannen die Untersuchungen der Beschaffenheit des Bodens entlang des geplanten Leitungsverlaufs der SPO. Wozu werden diese durchgeführt?
Die Baugrunduntersuchungen dienen der Bewertung des Untergrunds hinsichtlich der notwendigen Bauverfahren. Die dabei stattfindenden Bohrungen geben Aussagen über die Tragfähigkeit und das Verhalten des Bodens – beides wichtige Komponenten für den zukünftigen Bau der Leitung. Anhand der Ergebnisse können wir unsere geotechnischen Gutachten und Empfehlungen verfassen.
Wie verlaufen solche Untersuchungen? Was gibt es dabei zu beachten?
Im Vorfeld wird ein sinnvoller Umfang für die notwendigen Erkundungen auf Basis der dafür gängigen Normen festgelegt. Die gewählte Erkundungsart und Tiefe sind vom Zweck der Erkundung abhängig. Die Erkundungspunkte werden dabei – soweit möglich – an gut zugängliche Stellen im Gelände gelegt, um weite Anfahrtswege über Felder und Wiesen zu vermeiden.
Bis zu welcher Tiefe wird der Boden untersucht?
Die meisten Bohrungen werden in einer Tiefe von fünf bis zehn Metern ausgeführt. Die tiefsten Erkundungen werden dort benötigt, wo beim Bau der Leitung unterirdische Rohrvortriebe eingesetzt werden sollen. Bei dieser Bauweise werden für die Herstellung des Tunnels keine Gräben ausgehoben, stattdessen wird das Erdreich mittels maschinellem Vortrieb unterbohrt. Im Fall der SPO kommen Rohrvortriebe beispielsweise dort zum Einsatz, wo der Main unterquert wird. Hier sind Erkundungsbohrungen von bis zu 30 Metern Tiefe notwendig.
Welche besonderen Eigenschaften weist der Boden im Spessart und Odenwald auf?
Der geplante Trassenverlauf der SPO durch Mittel- und Südhessen sorgt für eine sehr abwechslungsreiche Geologie. Wir rechnen damit, in der Bauphase auf oberflächennah anstehendes Festgestein wie Graniten aber auch auf lehmigen, weichen Baugrund und geröllhaltigen Kies-Untergrund zu treffen. Um diesen Bodenbedingungen adäquat begegnen zu können, werden beim Bau der Leitung Spezial-Werkzeug sowie Fachpersonal benötigt. Im Zuge unseres Gutachtens sprechen wir für die einzelnen Bodenbedingungen Empfehlungen aus, die in der Planung berücksichtigt werden und später im Bau als Orientierung dienen.
Fachkundige Dokumentation der Bodenproben anhand der Kartier-Anleitung 5 (KA5)
Was ist für Sie als Geologe bei Untersuchungen dieser Art besonders spannend?
Für uns Geologen erzählt tatsächlich jede Bodenschicht eine eigene Entstehungsgeschichte. So können die verschiedenen Bodenschichten auf mögliche Schwierigkeiten im Erdreich hinweisen, die durch Erkundungsbohrungen allein nicht sichtbar werden. Insbesondere eiszeitliche Gerölle stellen für Rohrvortriebe oftmals Hindernisse dar, können sich aber durch eine Betrachtung der Entstehungshistorie der angetroffenen Bodenschichten vorhersagen lassen.
Stehen Sie auch im direkten kommunikativen Austausch mit Eigentümer:innen und Nutzer:innen der Flächen, deren Boden untersucht wird?
Im Vorfeld erhält jede:r Eigentümer:in und jede:r Nutzer:in ein Informationsschreiben über die vorgesehene Erkundungsmaßnahme auf ihrer bzw. seiner Fläche. Bei der Durchführung der Untersuchungen treffen wir vor Ort zudem immer wieder auf interessierte Passant:innen, welchen wir den Ablauf und Grund für die Untersuchungen gerne persönlich darlegen.
Im Frühjahr 2023 sollen die Arbeiten voraussichtlich abgeschlossen sein. Was passiert mit den Ergebnissen der Untersuchungen?
Bereits während der Erkundungen werden die Bodenproben vor Ort begutachtet und dokumentiert. Zusätzlich finden bodenmechanische und umwelttechnische Untersuchungen statt und erste geotechnischen Berichte werden angefertigt. Letztere umfassen überwiegend Empfehlungen für die Umsetzung der geschlossenen Bauweise, die vor allem bei der Querung von Verkehrsflächen und Gewässern zum Einsatz kommt. Die Einschätzungen und Empfehlungen bestimmen maßgeblich das zu wählende Bauverfahren und minimieren das Risiko für Schwierigkeiten während des Baus.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Jensen.